Genuss: Jetzt ist Spargelzeit

Es soll Zeitgenossen geben, die die Stangen in Dosen kaufen, Genießer aber essen das Feingemüse von Ende April bis zum Johannistag frisch aus der Region. Dann ist es nämlich am besten. Der passende Wein kann auch frisch sein: Gerade junge Tropfen sind ideale Begleiter zum neuen Spargel.

Schon den Römern galt Spargel als Delikatesse, wurde von byzantinischen Ärzten zur Heilpflanze erkoren und zeitweise wohl auch als Aphrodisiakum angepriesen. Weil Spargel immer mühsam anzubauen und zu ernten war – und deshalb auch nie ganz billig verkauft wurde -, galt er bald als “königliches Gemüse”.

Während der römische Kaiser Diokletian sich noch genötigt sah, eine so genannte Spargel-Höchstpreis-Verordnung zu erlassen, leisteten sich Mitte des 15. Jahrhunderts vornehmlich Klosterherren und Fürsten den aufwändigen Anbau des Feingemüses, das weniger der Nahrung als mehr dem Genuss diente. Ein Genuss, der erhebliche Mühen voraussetzte – und bis heute voraussetzt: Die Spargelernte ist immer noch Handarbeit, bis heute waren Automatisierungsversuche wenig erfolgreich. Das hat seinen Preis: die ersten weißen Spargel können pro Pfund deutlich über 10 Euro kosten, aber auch später ist Spargel in Spitzenqualität für kaum weniger als die Hälfte zu haben.

Der klassische Spargel wird gestochen, wenn der Spargelspross noch unter der Erde ist. Dann hat er nämlich noch seinen milden Geschmack und nur eine dezente Bitternote, die sehr gut zu fruchtigem Silvaner oder Gutedel passt. Beim violetten Spargel hingegen sind die Bittertöne ausgeprägter, was Weißburgunder zu einem wohlschmeckenden Begleiter macht. Grüner Spargel, der herzhafter und intensiver schmeckt, verträgt konturreiche und kräftige Weine, wie Riesling, Grauburgunder oder Chardonnay.

Diese und weitere feine Sommerweine gibt es bei 75cl, der neuen Wein-Adresse in Schlangen, geführt von dem Genussjournalisten (und Neu-Schlänger) Thomas Hirschbiegel.